Startup Beschaffungsindex – Auswertung der Bekanntmachungen vergebener Aufträge auf ted -Tenders Electronic Daily

Der Startup-Beschaffungsindex der Universität der Bundeswehr München und des Staat-up e.V. wurde aktualisiert. Um u.a. die Zahl der Aufträge, die von öffentlichen Auftraggebern in Deutschland an Startups erteilt wurden, gemessen an der Gesamtzahl der erteilten Aufträge zu ermitteln, wurden die aktuell verfügbaren Daten auf Tenders Electronic Daily ausgewertet.


I. Datenbasis

Für eine Betrachtung zur Verfügung standen Start-ups, die Mitglied im Bitkom e.V. und/oder im Bundesverband Deutsche Startups e.V. und/oder im KI Bundesverband e.V. sind und/oder in der Berlin Start-up Map gelistet sind, zusammengenommen eine Datengesamtheit von 3.061 Startups.

Daten zu vergebenen Aufträgen wurden der Online-Version des Supplements zum Amtsblatt der Europäischen Union – „ted“ entnommen. Verfügbar sind hier Daten zu Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte, konkret der Name bezuschlagter Unternehmen sowie der vergebene Auftragswert.


II. Vorgehen

Der Datenabgleich wurde von der Universität der Bundeswehr München durchgeführt. Die konsolidierte Liste von Startups wurde dabei den Daten aus Bekanntmachungen vergebener Aufträge gegenübergestellt. Auf ted verfügbar sind Daten aus den Jahren 2011 bis 2022.


III. Unvermeidbare Unschärfen

Die Angaben zur Firma des bezuschlagten Bieters sind auf ted in ein Freifeld einzutragen. Schreibfehler und Unsauberkeiten bei der Rechtsformbezeichnung können zu Mismatches führen.

Die Angaben zum bezuschlagten Auftragsvolumen sind zwar de jure verpflichtend, auf ted wird aber eine fehlende Eintragung akzeptiert. Zudem kommt es erfahrungsgemäß zu Fehlern bei der Berechnung des Auftragsvolumens durch die Vergabestellen, vor allem bei länger laufenden Verträgen.

ted weist nur Daten zu EU-Vergaben aus; eventuelle Vergaben an Startups nach nationalem Recht bleiben daher unberücksichtigt. Bis dato sind noch keine Daten aus der VergabestatistikVO für einen Datenabgleich verfügbar, um das Bild insoweit zu vervollständigen.

Nicht alle Startups sind in den genannten, relevanten Startup-Verbänden organisiert beziehungsweise auf der Berlin Start-up Map gelistet. Nicht alle, insbesondere in früheren Jahren des Betrachtungszeitraums am Markt tätigen Startups, sind aktuell (noch) organisiert beziehungsweise gelistet. Andererseits besteht keine Sicherheit, dass alle organisierten beziehungsweise gelisteten Unternehmen tatsächlich die gängige Startup-Definition erfüllen. Zum Vergleich gegenüber der oben II. ausgewiesenen Datenbasis: Der Deutsche Startup Monitor 2023 weist eine Zahl betrachteter Startups von 1.825 aus.


IV. Ergebnisse des Datenabgleichs

Tabelle 1
Anzahl an Vergaben mit Auftragserteilung an Startups

Tabelle 1 Anzahl an Vergaben mit Auftragserteilung an Start-ups inkl. Auftragswert

* Werte mit „-1“ repräsentieren fehlende Werte/Einträge
 

Tabelle 2
Anzahl an Vergaben mit Aufträgen an Startups, verteilt auf die Auftragsnettowertgruppen

Tabelle 2 Anzahl an Vergaben mit Aufträgen an Startups, verteilt auf die Auftragsnettowertgruppen

* Werte mit „-1“ repräsentieren fehlende Werte/Einträge
 

Tabelle 3
Anzahl Aufträge an Startups nach Verfahrensart

Tabelle 3 Anzahl an Aufträge an Startups nach Verfahrensart

 

Tabelle 4
Anzahl Aufträge an Startups nach Zuschlagskriterien

Tabelle 4 Anzahl Aufträge an Startups nach Zuschlagskriterien


V. Zusammenfassung

Die ermittelbaren Zahlen können aufgrund der dargestellten Unschärfen nur Tendenzen abbilden. Fest steht jedenfalls, dass die Zahl der Auftragsvergaben an Start-ups zwar nach wie vor sehr gering ist, während der letzten 5 Jahre allerdings zumindest dynamisch anstieg.

Interessant ist, dass über die Hälfte der Vergaben im Offenen Verfahren erfolgte und ein reiner Preiswettbewerb in ca. 45% der Fälle zur Anwendung kam.

Das legt den Schluss nahe, dass von Start-ups häufig marktverfügbare Produkte und Leistungen eingekauft werden, dies im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Auffassung, wonach Leistungen bei Start-ups erst entwickelt werden und dementsprechend mittels innovativer Verfahren wie Innovationspartnerschaft oder Wettbewerblicher Dialog beschafft werden müssen.

 

Verfasserinnen und Verfasser der Auswertung:

Staat-up e.V.

Staat-up e.V. (Erhebung der Start-up Datenbasis): Anja Theurer, Vorstand; Carolin Kister, Geschäftsführerin

 

Universität der Bundeswehr München

Universität der Bundeswehr München, Fakultät für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften, Arbeitsgebiet Beschaffung (Datenaufbereitung, -abgleich und Auswertung): Jun.-Prof. Dr. Christian von Deimling, Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Industrielle Beschaffung

Stand: 27. Dezember 2023