Innovative Beschaffung

Die Förderung von Innovationen im öffentlichen Beschaffungswesen ist ein wichtiges Element der Wirtschafts- und Energiepolitik der Bundesrepublik Deutschland. Ziele wie Ressourcenschonung und Energieeffizienz sind un­trennbar mit Innovationen verbunden.

Diese Ziele können nicht nur durch eine angebotsorientierte Politik, wie die Förderung von Forschungs- und Innovationsvorhaben, erreicht werden, son­dern auch nachfrageseitig durch den öffentlichen Einkauf von innovativen Produkten, Systemlösungen und Dienstleistungen. Das hohe Innovations-und Technologiepotenzial von innovationsorientierten öffentlichen Beschaf­fungen spiegelt sich in der folgenden Überlegung wider:

Hebelwirkung der öffentlichen Beschaffung

Das jährliche Volumen der öffentlichen Beschaffung in Deutschland beträgt nach Schätzungen zirka 350 Mrd. Euro (2016)1. Wenn es gelänge, nur einen Prozentpunkt des Beschaffungsvolumens für innovative Produkte und Dienstleistungen zu verwenden, ergäbe dies einen Innovationsimpuls von mehr als 3,5 Mrd. Euro pro Jahr. Ein Vergleich mit den aktuellen Fördergel­dern für Forschung und Innovation in den Unternehmen im Jahre 2015 in Höhe von 2,3 Mrd. Euro2verdeutlicht die immense Hebelwirkung der öffent­lichen Beschaffung auf die Innovationstätigkeit in der Wirtschaft.

Innovation wird in diesem Zusammenhang in Anlehnung an das „Oslo Manual“ der OECD definiert:

„Eine Innovation ist die Einführung eines neuen oder signifikant verbes­serten Produkts (oder auch Dienstleistung), eines neuen Prozesses oder einer neuen Marketing- oder Organisationsmethode in die Geschäfts­praxis, die Arbeitsabläufe oder die externen Beziehungen.“3

 

Mehrdimensionaler Ansatz bei der Definition von Innovationen

  • Innovation als Neuheit: Bei einer Innovation handelt es sich um ein neuartiges Produkt/Lösung/Prozess, das es so noch nicht auf dem Markt gibt.
  • Innovation als Wandel: Ein bereits bestehendes Produkt/Lösung/Prozess wurde in der Art abgewandelt oder weiterentwickelt, dass es in einem neuen Geschäftsfeld genutzt werden kann.
  • Innovation in einer Institution: Aus der Perspektive eines öffentlichen Auftraggebers, der erstmals ein bereits bestehendes Produkt/Lösung/Prozess in seinem Haus nutzt, ist das für diese Institution innovativ.

Unterschied nach Stoßrichtungen:

  • Produktinnovation (z. B. neue oder verbesserte Produkte)
  • Dienstleistungsinnovation (z. B. neue oder verbesserte Dienstleistungen)
  • Prozess- oder Organisationsinnovation (z. B. Verbesserung unternehmensinterner Prozesse, Strukturen oder Abläufe)
  • Geschäftsmodellinnovation (z: B. neue oder verbesserte Geschäftsmodelle) oder erhöhter Innovationsgrad
  • Inkrementelle Innovation (z. B. schrittweise Verbesserung bestehender Produkte, Dienstleistungen, Prozesse oder Geschäftsmodelle)
  • Radikale Innovation (z. B. Technologiesprung, disruptive Technologien wie E-Mobilität).

Eine Innovation ist somit in sehr vielen Bereichen möglich. Zumeist handelt es sich um den erstmaligen Einsatz von in anderen Branchen oder Einsatzfel­dern bereits bewährten Produkten und Techniken (marktgängige Innovatio­nen). Die Innovation kann auch mit dem Einsatz einer neuartigen Technolo­gie oder eines neuartigen Geschäftsmodelles verbunden sein, die es auf dem Markt noch nicht gibt (nicht marktgängige Innovation).

    1UniBw/KOINNO (2016), Innovative öffentliche Beschaffung (Hochrechnung des öffentlichen Beschaffungsvolumens auf Basis von Haushaltsdaten und öffentlicher Statistiken).

    2BMBF (2017), Bildung und Forschung in Zahlen 2017, Berlin.

    3An innovation is the implementation of a new or significantly improved product (good or service), or process, a new marketing method or a new organizational method in business practices, workplace organisation or external relations“ – OECD/Eurostat (2005), OSLO Manual: Guidelines for collecting and interpreting innovation data, S. 46, Paris.