Die sozialen Aspekten bei der Beschaffung von IT-Hardware standen im Mittelpunkt der 6. Fachkonferenz zur sozial verantwortlichen Beschaffung von IT-Hardware, die am 21. und 22. Juni 2018 in Stuttgart stattfand. Ein Schwerpunkt lag diesmal auf der Rohstoffförderung und der Vermeidung von Konfliktrohstoffen.

Die digitale Transformation (e-Government) ist auch in Deutschland in der öffentlichen Verwaltung angekommen. Konkret geht es darum, die öffentliche Verwaltung in Sachen IT-Infrastruktur fit für die Zukunft zu machen, um den Bürgerinnen und Bürgern alle Dienstleistungen auch digital anbieten zu können. Dementsprechend hoch ist der Bedarf an TK-Technik und IT-Geräten, wie Laptops, Telefonen und Smartphones. Laut Bitkom gibt die öffentliche Hand allein 2,4 Milliarden Euro jährlich für IT-Hardware aus – Tendenz steigend. 

Aber gerade IT-Hardware-Komponenten sind – insbesondere aus sozialer bzw. arbeitsrechtlicher Perspektive – nicht unumstritten: die Lieferketten von der Gewinnung der Rohstoffe über deren Verarbeitung bis hin zur Fertigung sind sehr komplex und transnational. Folglich ist es schwer nachzuvollziehen, ob bspw. die ILO-Kernarbeitsnormen, Mindestlöhne oder auch andere Arbeitsschutznormen eingehalten werden.

Mehr Trasparenz erforderlich

Vor diesem Hintergrund beleuchtete die 6. Konferenz zur sozial verantwortlichen Beschaffung von IT-Hardware nicht nur die Gesamtproblematik, sondern beschäftigte sich auch mit möglichen Problemlösungen. Es gibt mehrere Ansätze zur Schaffung von Markttransparenz. Ein Weg ist die Zertifizierung von Produkten (Gütesiegel), ein anderer die Forderung nach Selbstverpflichtungen. Ein weiteren Ansatz besteht darin, die Marktmacht der öffentlichen Hand zu bündeln und dafür zu nutzen, den Anbietern entsprechende Anreizstrukturen zur Einhaltung sozialer und arbeitsschutzrechtlicher Standards zu geben.

Wie das in der Praxis funktionieren kann, hat die Dataport AöR als Preisträger des BME-Awards„Innovation schafft Vorsprung“ 2015 vorgemacht: als zentrale IT-Beschaffungsstelle für die Länder Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein wurde ein Rahmenvertrag zur Beschaffung von IT-Hardware und hardwarenahen Dienstleistungen angestrebt, um rund 60.000 Arbeitsplätze mit neuer Hardware und circa 30.000 Arbeitsplätze mit IT-nahen Dienstleistungen auszustatten.

Die Einhaltung von sozialen Standards war zwar schon in den Beschaffungsrichtlinien der Trägerländer verankert, wurde aber bis dato nicht für die IT-Beschaffung angewendet. Auf Grund der besonderen Marktgegebenheiten war es unrealistisch, Bieter zu finden, die unter Berücksichtigung der ILO-Kernarbeitsnormen das nachgefragte Volumen abdecken konnten, weshalb die Dataport AöR eine Alternative finden musste. So mussten die Bieter im Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb Konzepte vorlegen, wie sie zukünftig auf die Einhaltung der ILO-Standards bei Herstellern und Zulieferern einwirken wollen.

Trotz der skizzierten Ansätze wurde auf der 6. Fachkonferenz zur sozial verantwortlichen Beschaffung von IT-Hardware in Stuttgart deutlich, dass vor allem in diesem Kontext noch viel geleistet werden muss und der Weg zur sozialverträglichen IT-Produktion nach wie vor weit ist.

Erfahren Sie mehr zum Thema in unserem Praxisbeispiel "Entwicklung von sozialen Kriterien im Rahmen der Hardwarebeschaffung".

Informationen zur aktuellen Ausschreibungsrunde des BME-Award „Innovation schafft Vorsprung finden Sie HIER.